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Letzte Änderung:
10.04.2018, 11:45h

BNN Freitag, 06.04.2018: Greenkeeper kennen als Großanlagen-Gärtner die besten Kniffe für ein dichtes Grün

Greenkeeper kennen als Großanlagen-Gärtner die besten Kniffe für ein dichtes Grün

Für perfekten Rasen bauen sie auf Sand

**Bruchsal.** Helmut Jäger schlägt den Kragen hoch. Morgens ist es noch frisch. Seine Mannschaft ist schon flott unterwegs, denn der Rasen wächst ab etwa drei Grad plus: Ein rundes Drittel der 90 Hektar des Golfplatzes Bruchsal sind Spielfläche für Golfer und somit zugleich Arbeitsbereich der in aller Frühe fleißigen Greenkeeper.
Abschlag, Fairway und Green heißen die Hauptzonen, um die sich Headgreenkeeper Jäger und sein Team kümmern, wie auch um Semi-Rough und Rough, die halbhohen und höheren Wiesen drumherum. Greenkeeper sind Landschaftspfleger mit weiterem Fachwissen. Neben Golfplätzen, auf denen sie auch Bäume und Sträucher pflegen, sich um Wege und Gewässer kümmern, bewirtschaften sie auch Flächen für Fußball, Hockey oder Polospiel.
Für Helmut Jäger und Rainer Waltz, Jägers Cousin und Compagnon im Garten- und Landschaftsbaubetrieb ist der Golfplatz der größte Auftraggeber in ihrem Nebenberuf. Beide sind hauptberuflich Landwirte und brachten dadurch viel Biologie-Wissen mit, als der Golfplatz 1995 im Hügelland bei Bruchsal eröffnete.
„In Strohhut und kurzer Hose wird das natürlich noch schöner“, sagt Jäger. Der anerkannte Fortbildungsberuf des Greenkeepers baut auf einer abgeschlossenen Ausbildung als Gärtner, Land- oder Forstwirt auf. „Über drei Jahre“, so Jäger, „zog sich das berufsbegleitend hin.“ Da und dort springt er aus dem Caddy, bespricht mit seinen Mitarbeitern Reparaturen oder Kontrollen am Leitungssystem der Beregnungsanlage, wo Bunker frisch abgekantet, Sand frisch gerecht werden muss. Die meistgestellte Frage an ihn ist die nach dem Rezept für so einen saftiggrünen Rasenteppich. Nur drei Millimeter misst der Spezialrasen im Green – der Zielfläche um die Fahne. Er wird täglich geschnitten, damit die Golfbälle gleichmäßig rollen. Auf den Abschlägen, wo die Golfer sich den Ball zurechtlegen, und auf den Fairways zwischen Abschlag und Ziel-Grün darf er stets ein paar Tage wachsen.
„Vom Rasen Zuhause darf man nie mehr als die Hälfte der Halmlänge abschneiden, sonst ruiniert man ihn“, so Jäger, optimal sei zweimal pro Woche mähen. Bei Greenkeepern steht regelmäßig Vertikutieren und Belüften des Rasens an. Und wofür der Hausbesitzer einmal jährlich sein Werkzeug heraus holt, dafür hat der Profi Spezialgerät. Der Spindelmäher misst dreieinhalb Meter Mähbreite. Um die Bunker und an Hängen greift der Fachmann zum wendigen Luftkissenmäher, und der Vertikutierer sieht mit Reihen scharfer Klingen martialisch aus, schlitzt die Grasnabe aber nur bis zu einem Zentimeter Tiefe auf, um dem Verfilzen vorzubeugen.
So selten wie möglich kämen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, und mit Hilfe von Wasserentspannungsmitteln werde nötigenfalls sicher gestellt, dass das Wasser wirklich versickere. „Das A und O für den perfekten Golfrasen ist, dass der Untergrund luft- und wasserdurchlässig ist.“ Jäger sticht eine Probe aus dem Boden. Das Green besteht bis zur Tiefe von rund 15 Zentimetern überwiegend aus Sand: Das sorgt für Feuchtigkeitsab- und Luftzufuhr. Feiner Sand wird auf die Oberfläche und gröberer zur Belüftung in den Boden gearbeitet. Hierfür stanzt eine Maschine Löcher, im Abstand von fünf mal fünf Zentimetern. Diese werden mit Sand befüllt und verrüttelt. Ansonsten, so Jäger: „Düngen“.
Zwei- bis dreimal jährlich tut dem Hausrasen gut: jetzt im Frühling, Anfang Juni nach der großen Wachstumsphase und, nicht zwingend, im September. Jäger entscheidet nach Optik, sieht, wann sein Rasen „hungert“. Der Headgreenkeeper steigt in sein Caddy und düst übers Grün. Weg ist er.
Greenkeeper Helmut Jäger: Viel Sand im Boden lässt Wasser und Luft durch.

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Helmut Jäger Greenkeeper Golfclub Bruchsal e.V.

Greenkeeper bei der Arbeit Golfclub Bruchsal e.V.

 
 
 
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